Unsere Reise durch den Iran Part 2

Zurück im Iran stand unser Auto zu unserer Erleichterung tatsächlich unberührt an dem Ort, an dem wir es zehn Tage vorher abgestellt hatten. Da ich schon 24h vor Luca in Teheran war, wurde mir die Ehre zu teil ihn am nächsten Tag um 5 Uhr in aller herrgottsfrüh am Flughafen abzuholen. Zeit zum Ausschlafen war dann aber natürlich trotzdem nicht, da wir uns vorgenommen hatten schnellst möglich den letzten Behördengang unserer Reise hinter uns zu bringen. Gesagt, getan, so machten wir uns direkt auf den Weg zum indischen Visa Application Center, wo uns keine böse Überraschung erwarten sollte und die Beantragung reibungslos über die Bühne ging. Es war uns sogar möglich eine Zustelladresse eines Bekannten aus Kerman anzugeben, was uns eine spätere Rückfahrt nach Teheran ersparen sollte.

Nachdem uns jetzt nichts mehr in der Hauptstadt hielt, konnten wir uns endlich aufmachen, um den Rest des so bezaubernden Landes zu erkunden. Das erste Ziel stand natürlich schon fest. Es sollte in den Westen des Irans an die Grenze zum Irak gehen, in eine Region, die regelmäßig unter massiven Erdbeben zu leiden hat.

Hamid setzte uns mit Sharam, einem Mitte dreißig Jährigen Kurden, der schon 10 Jahre in Norwegen gelebt hatte, in Kontakt, sodass wir auch hier in den Genuss kommen konnten bei Locals zu wohnen. Trotz der erschütternden Situation in der sich die Stadt befindet mit all den halb zerstörten Häusern und den auf fast allen freien Flächen stehenden Zelten, sollte unsere Zeit in Sarpol mit zur schönsten unserer bisherigen Reise werden. Neben den zwei Spenden, die wir vor Ort durchführen konnten (Schule, Fußballmannschaft), bleibt uns vor allen das Zusammenleben mit der Familie inclusive Franky, einem engen Freund unseres Gastgebers, der vorübergehend mit im Haus wohnte, in Erinnerung, das von einer solchen Herzlichkeit und Freude geprägt war, dass es wirklich schwer viel sich nach nur sechs Tagen schon wieder Lebewohl sagen zu müssen.

Im Anschluss daran standen ein paar vollgepackte Touri-Tage in Shiraz, Persepolis, Pasargad und Yazd auf dem Programm wofür wir zunächst eine Strecke von etwas mehr als 1.000 km zum ersten Ziel zurücklegen mussten. Auf halbem Wege wollten wir an einer abgelegenen Straße unser Nachtlager aufschlagen, wobei wir die Rechnung mal wieder ohne die örtliche Polizei gemacht hatten. Nach weniger als einer Stunde standen nämlich die ersten bewaffneten Zivilpolizisten vor der Tür, um uns klar zu machen, dass es hier zu gefährlich sei. Nach einer langwierigen Passkontrolle und gefühlt hundert Erklärungsversuchen, dass uns das alles egal wäre und wir einfach nur schlafen wollen, blieb uns nichts anderes übrig, als mitzukommen und die eh nur noch kurze Nacht vor der Wache zu verbringen. Widerstand ist hier leider zwecklos, wobei es die Leute ja eigentlich nur gut mit uns meinten.

Die nächsten Tage waren dafür umso schöner. Die imposanten, teilweise über 2.500 Jahre alten persischen Bauten bzw. Überreste ehemaliger Palastanlagen und der gleichen ließen uns nicht selten sprachlos werden. Das Achämeniden-Reich zum Beispiel, das sich vor zweieinhalb Jahrtausenden vom heutigen Pakistan bis ans Mittelmeer erstreckte, gilt heute als eine der ersten Hochkulturen, wobei die Geschicke des Reiches von Persepolis bzw. Pasargad aus geführt wurden. Während dort das Wissen der indischen Völker, des alten Griechenlands sowie aus Ägypten zusammengeflossen ist, hat in Deutschland noch jede Sippe für sich im Wald gelebt.

Wer den Wüstenplaneten Tatooine aus Star Wars kennt, der kann sich ungefähr vorstellen, wie das Stadtzentrum von Yazd aussieht. Wer hier auf einer der Dachterrassen einen Cay Tee schlürft und den Blick über die Kuppelbauten aus Lehm schweifen lässt, fühlt sich direkt hineinversetzt in eines der Märchen aus 1001 Nacht. Es war wirklich großartig!

Von Yazd aus in die nahegelegene Wüste war der Weg dann auch nicht mehr weit. Zunächst war geplant, dass ich endlich mal fliegen gehen sollte, außerdem wollten wir uns Quads ausleihen, um mit ihnen über die Dünen zu brettern. Aus beidem wurde natürlich nichts. Die extrem windigen Bedingungen durchkreuzten den Plan des Fliegens und die Quads waren ganz einfach nicht fahrtauglich. Bei den einen war das Getriebe kaputt, bei den andern lief der Motor nicht rund. Wir ließen uns dadurch aber nicht die Laune verderben und machten wie immer das Beste draus. Nachdem wir uns den ganzen Tag durch die unendlichen Weiten der Wüste gekämpft hatten, war es an diesem Abend das erste Mal auf unserer Reise soweit und wir kochten im Auto.  Am nächsten Morgen bestiegen wir noch eine nahegelegene Felsformation, um das atemberaubende Panorama nochmal aufsaugen zu können.

Den letzten Halt auf unserer Reise durch den Iran sollte Jiroft darstellen. Über einen kurzen Zwischenstopp in Kerman, wo wir planmäßig unsere Reisepässe mit dem indischen Visum aufgabeln konnten, ging es in die etwa drei Stunden südlich gelegene Ortschaft. In diesen etwas abgelegenen Winkel des Landes hat es uns natürlich nicht grundlos verschlagen. Auch diese Region ist von großer Armut gezeichnet, weswegen wir uns darum bemühten vor Ort im Namen von Travel for Smiles tätig zu werden. Am Ende haben wir auch hier wieder für ein paar Lächeln gesorgt und konnten mit einem guten Gefühl Richtung Pakistan aufbrechen.

Ein letztes Highlight hatte der Iran aber noch für uns. Nachdem wir uns mit den letzten Tropfen Diesel im Tank gerade noch so durch die Wüste gekämpft hatten, erzählte uns ein Belutsche von einer etwa 80 km entfernen Tankstelle, an der Ausländer kostenlos tanken könnten. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und fuhren ihm und seinem Tanklaster bis zu besagtem Ort hinterher. Zu unserem Erstaunen hing an der Tankstelle tatsächlich ein Schild mit der Aufschrift „Free fuel to foreign tourist cars, Dear Guests, Dear Iran“. Wir ließen uns dann natürlich nicht lumpen und machten neben unserem Tank noch alle drei zwanzig Liter Reservekanister voll, sodass wir insgesamt 140 Liter Sprit für Lau tanken konnten.

Was für ein Ende einer wunderbaren Zeit!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>