Unsere Reise durch den Iran Teil 1

Was war das für ein permanentes Auf und Ab der Gefühle im Iran. Am Ende war ich 35 Tage in diesem wunderbaren Land und Luca 25. Unsere Zeit war geprägt von vielen Erfolgserlebnissen und großartigen Erfahrungen, aber auch von diversen Rückschlägen.

Während sich Luca noch ganze 9 Tage von der Türkei aus, über Georgien und schließlich Armenien bis an die iranische Grenze durschlagen musste (Hier gehts zu seinem persönlichen Abenteuer), um endlich einreisen zu können, lief meine Grenzüberquerung am Nikolaustag relativ reibungslos. Nachdem mein Visum kontrolliert wurde, haben die Beamten noch einen kurzen Blick in unser Auto sowie die Dachbox geworfen und schon ging es weiter. Glücklicherweise wartete ein Bekannter auf der iranischen Seite, der mir dabei half, die nötigen Stempel für unsere Carnet de Passage zu bekommen und eine Versicherung abzuschließen. Die ganze Prozedur war nach etwa zwei Stunden erledigt worauf wir uns gemeinsam auf den Weg nach Urmia zu seiner Familie machten. Dort kam ich in den folgenden 48 Stunden das erste Mal in den Genuss der überaus gastfreundlichen Art der iranischen Bevölkerung.

Nach diesen äußerst erholsamen Tagen verbrachte ich den Großteil der Zeit bis zu Lucas Einreise bei Hamid und seiner Familie in Teheran. Ein Volunteer, den wir auf Chios kennen gelernt hatten, hat uns miteinander in Kontakt gebracht, was, wie sich später herausstellen sollte, für uns ein absoluter Glücksfall war. Kleine Reparaturarbeiten am Auto, das Vorbereiten unserer ersten Spende im Iran sowie der Versuch Luca aus der Ferne bei seiner Odyssee zu unterstützen füllten meine Tage. So ereignisarm der Großteil dieser Zeit auch gewesen ist, so einprägsam war dann ihr Highlight. Für etwas weniger als 24 Stunden tauchte ich in die Welt eines zehn Häuser umfassenden Bergdorfes ein, welches sich circa zweieinhalb Stunden südlich von Teheran befindet. Ein Freund von Hamids Schwager lebt dort mit seinen Brüdern. Außer ihnen sind zwei weitere Familien Teil dieser kleinen Gemeinde, die ihr täglich Brot durch Viehzucht verdient und es genießt in den Tag hinein leben zu können. Glücklicherweise verfügt das Dorf sogar über eine kleine Schule, in der die Kinder von dem Lehrer einer nahe gelegenen Ortschaft unterrichtet werden.

Als nach einer gefühlten Ewigkeit aus Georgien das lang ersehnte „go“ gekommen ist, weil Luca sein iranisches Visum in der Tasche hatte, machte ich mich am 15.12 morgens um halb 6 auf den Weg an die etwa 800 km entfernte Grenze, um ihn dort abzuholen. Jetzt endlich war es uns möglich gemeinsam das fast allen so fremd erscheinende Land zu erkunden. Egal wohin es uns auch im Iran verschlug und welche Probleme sich uns stellten, Hamid stand uns zur Seite und hatte immer einen Freund an der Hand, bei dem wir nächtigen konnten. Davon profitierten wir gleich in einer der ersten Nächte als wir den Nord-Westen des Irans bereisten und südlich von Ardabil bei Mojtaba, seiner Frau und seiner äußerst süßen kleinen Tochter einkehrten. Tagsüber durchstreiften wir mit ihm und seinem Vater die umliegenden Wälder und abends kamen wir in den Genuss der vorzüglichen iranischen Küche. Über das Kaspische Meer verschlug es uns anschließend nochmal für ein paar Tage zu Hamid nach Teheran, wo wir mit ihm und seiner Familie gemeinsam die Festlichkeiten um Yalda verbringen und unsere Spende in einem Dorf außerhalb Teherans durchführen sollten. Hier geht’s zur Spende

Yalda ist ein Fest, das am Abend des 21.12 vor der längsten Nacht des Jahres gefeiert wird. Da die Sonne nach dieser Nacht Tag für Tag ein paar Minuten länger zu sehen ist, ist die Feierlichkeit dem symbolischen Sieg des Lichts über die Dunkelheit gewidmet. Hier kommt die ganze Familie zusammen, wobei einer der Anwesenden nach dem Abendessen aus dem Sammelwerk des legendären Dichters Hafis vorliest. Jedes dabei per Zufall ausgewählte und vorgetragene Gedicht beschäftigt sich mit dem größten Problem eines jeden Familienmitglieds und soll dabei dessen Lösungsweg vorzeigen. Angefangen wird hier beim Ältesten, bis schließlich auch für den Jüngsten ein poetischer Text vorgelesen wurde. Das Ganze ist natürlich inzwischen mehr zu einer unterhaltsamen Tradition verkommen, als das noch irgendjemand ernsthaft an Wahrsagerei glaubt, dennoch hat uns dieser Brauch eine große Freude bereitet.

Am Samstag vor Weihnachten und gleichzeitig unserem letzten Abend bei Hamid kochten wir für ihn und seine Familie zum Dank Gulasch mit Semmelknödel, was uns am Ende erstaunlicherweise sogar besser gelang, als anfangs angenommen.

Da im Iran das Wochenende versetzt, zu dem uns bekannten nicht am Samstag und Sonntag, sondern am Donnerstag und Freitag stattfindet, verbrachten wir den ganzen Sonntagvormittag im indischen Visa-Application-Center. Nachdem wir diesen Behördengang erfolgreich hinter uns gebracht hatten, sollte nachmittags der Super-GAU mehr und mehr Gestalt annehmen. Einen Tag darauf stellte sich schließlich endgültig heraus, dass es uns unmöglich sein sollte im Iran bzw. vom Iran aus, das pakistanische Visum zu beantragen. Dass wir in der pakistanischen Botschaft in Teheran nicht an die nötigen Stempel kommen würden, war uns im Vorfeld schon klar, aber dass wir auf Grund der gegen das Land verhängten Sanktionen keine Möglichkeit hatten unsere Reisepässe zurück nach Deutschland zu schicken stellte eine niederschmetternde Neuigkeit dar. Nach langem abwägen der vermeintlich verbleibenden Optionen, wie zum Beispiel dem Umschiffen von Pakistan, war für uns die am besten klingende Lösung die vorübergehende Heimreise nach Deutschland. Zufälligerweise fiel eben dieser Montag auf den Heiligen Abend und die Aussicht die Feiertage sowie Silvester mit den Liebsten in der Heimat verbringen zu können, lies die schlechte Laune über die Situation schnell verschwinden. So buchten wir noch für den selben Abend unsere Flüge nach Köln bzw. nach München und verbrachten den restlichen Tag am Fernsehturm Teherans, während wir uns die ganze Zeit ausmalten, wie verrückt und unfassbar cool es sein würde, jetzt an Weihnachten so spontan seine ganzen Freunde und die Familie zu sehen, zumal Luca seiner Freundin mit dem Kurzbesuch eine dicke Überraschung bereiten sollte. Das Auto stellten wir kurzerhand an einem 24-Stunden überwachten Parkplatz ab, dann packten wir noch schnell ein paar Sachen ein, bevor wir den ersten Abschnitt der Rückreise bis Istanbul noch gemeinsam antraten.

Die zwölf Tage in Deutschland vergingen natürlich wie im Flug, reichten aber aus, damit Luca sogar die Geburt seines Patenkindes miterleben konnte. Anfang Januar sahen wir uns planmäßig mit dem pakistanischen Visum in der Tasche im Iran wieder, um frisch motiviert die zweite Hälfte unserer Reise in Angriff zu nehmen.

Der zweite Teil unserer Zeit im Iran folgt..

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