Tag 14 – 20: Wie doch die Zeit vergeht!

Unsere dritte und damit letzte Woche als Teil des Chios Eastern Shore Response Teams verging wiedermal wie im Flug. Das Hauptaugenmerk während der vergangenen sechs Tage lag natürlich auf der Fertigstellung der Internetseite von CESRT, womit wir auch bis einschließlich Samstag beschäftigt waren. Den größten Anteil der Arbeit hat Luca erledigt, da er für das Einrichten und Gestalten der Webpage sowie das Einfügen der Bilder und Texte verantwortlich war. Geschrieben wurden diese Texte jeweils von erfahrenen Volunteers, was uns eine Menge Arbeit abnahm. Meine Aufgabe bestand lediglich darin das ein oder andere Foto zu schießen, um die Internetseite etwas ansprechender gestalten zu können, und dafür zu sorgen, dass die fertiggestellten Texte rechtzeitig abgegeben wurden.

Da Luca das Projekt „Internetseite“ wirklich gut im Griff hatte, hatte ich die Möglichkeit diese Woche nochmal zwei neue Tätigkeitsbereiche der Hilfsorganisation kennen zu lernen. Am Dienstag bin ich mit vier anderen Volunteers in das Flüchtlingscamp gefahren, um dort Jacken zu verteilen, und am Donnerstag durfte ich in „Costas Kitchen“ beim Vorbereiten der Speisen helfen.

Normalerweise ist das Camp selbst für das Ausgeben von Winterjacken verantwortlich, was bei den Frauen und Kindern auch sehr gut klappt, aber leider wegen der Knappheit an Männerjacken dazu geführt hat, dass wir unsere Lagerbestände plündern mussten, um die gegebene Situation zu verbessern. Um auch vorbeugend dafür zu sorgen, dass alle Asylsuchenden mit der nötigen Winterkleidung ausgerüstet sind, wurde vor geraumer Zeit damit begonnen sämtlichen Neuankömmlingen direkt beim Landing eine entsprechende Jacke zu überreichen. Wenn das Camp von uns unterstützt wird, um die Bewohner mit Kleidung versorgen zu können, müssen wir sehr organisiert uns strukturiert vorgehen, da die Rahmenbedingungen bei der Verteilung oft chaotisch sind. Hierfür sind vor ein paar Wochen zwei unserer Volunteers ins Camp gefahren, um sich dort gemeinsam mit dem dafür verantwortlichen Mitarbeiter der Campleitung einen Überblick verschaffen zu können, welcher der männliche Bewohner, die in den Zelten um das Camp herum wohnen, noch keine Winterjacke besitzt und welcher schon. Als Ergebnis brachten sie damals eine Liste mit ins Warehouse, auf der die Zeltnummer sowie die endsprechende Kleidergröße der Bewohner stand, die noch nicht mit einer Jacke versorgt wurden.

Bis zum vergangenen Dienstag ist von uns auch schon ein Großteil der auf der Liste stehenden Zelte abgearbeitet worden, weswegen wir am Vormittag nur etwa 20 Jacken in Kisten packen mussten und uns dann schon auf den Weg Richtung Vial machen konnten. Dort angekommen warteten wir auf einen Mitarbeiter des Camps, da wir uns allein nicht durch die Wohnbereiche bewegen dürfen und weil er sehr viel besser wusste, wo welche Zeltnummer zu finden ist. Die Ausgabe der Jacken verlief reibungslos, wobei natürlich der ein oder andere nicht auf unserer Liste stehende auf uns zu kam und uns um eine Jacke bat. Leider war es uns in solchen Fällen nicht möglich diese Personen auch mit einer Winterjacke zu versorgen, da wir zum einen nicht genug auf Vorrat hatten und zum anderen nicht wussten, ob sie vielleicht nicht doch schon eine Jacke bekommen hatten und jetzt eine zweite wollten. Es war schön zu sehen, wie dankbar die Bewohner sind und wie menschlich und respektvoll sie trotz der unfassbar schwierigen Situation miteinander umgehen. Überall tobten und spielten die Kinder und viele Mütter ließen sich nicht davon abhalten auch hier für ihre Familien eine Kleinigkeit zu kochen.

Nicht nur im Camp wurde fleißig gekocht, sondern auch in Costas Kitchen. Costa ist ein Local, der schon ewig auf der Insel ein Restaurant betreibt und sich relativ zeitnah nach dem Beginn der Flüchtlingskrise dazu entschlossen hat, eine Küche zur Verfügung zu stellen, in der für alle Volunteers, die auf der Insel tätig sind, gekocht wird. Es ist ein großartiges Projekt, bei der die Rolle des Chefkochs von einem syrischen Flüchtling ausgefüllt wird. Dieser kommt von Montag bis Freitag in die Küche und bereitet mit mal mehr und mal weniger Volunteers ein kostenloses veganes Gericht für zwischen 150 und 200 Leute zu. Dabei werden im Normalfall die Zutaten für das Essen des nächsten Tages hergerichtet und zurechtgeschnitten. Oft handelt es sich dabei natürlich um einfache Speisen, aber es hat einen riesen Spaß gemacht gemeinsam mit ihm und Margaret, einer Freiwilligen aus den USA, ca. 25 Gurken und 10 kg Tomaten zu schneiden und Reis mit einer Soße aus Weinblättern zu kochen.

Für unsere letzte Woche haben wir uns neben dem Fertigstellen der Internetseite und der sonstigen Arbeit für CESRT noch zum Ziel gesetzt, eine ortsansässige Familie im Namen von Travel for Smiles zu unterstützen. Einen ausführlichen Bericht darüber findet ihr in folgendem Blogeintrag: Was ist teurer als Bildung? Keine Bildung!

Am Samstag wies Luca noch eine Kollegin und einen Kollegen ein, die die Internetseite „up to date“ halten sollen und ich habe am samstägig stattfindenden Projekttag im Language Center teilgenommen. Dieses Mal stand eine kleine Tanzeinlage auf dem Programm, bei der Sarah mir, ein paar anderen Volunteers und hoch motivierten Students die Choreographie der ersten 60 Sekunden des Songs „Me too“ von Meghan Trainor beibrachte. Es war sehr unterhaltsam und glücklicherweise gab es keine Verletzten.

Abends wurde dann zum Ausklang unserer Arbeitswoche gemeinsam mit allen Volunteers eine große Abschiedsparty geschmissen, da nicht nur wir, sondern auch drei andere Volunteers ihren letzten Arbeitstag hatten. Es war wirklich eine großartige Zeit hier auf Chios, in der wir unglaublich viel lernen konnten und Teil eines einzigartigen Teams sein durften. Ein kleiner Abschlussbericht wird folgen. 😊

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