Pakistan nach Belutschistan

Wir waren auf dem Weg von Quetta nach Islamabad als wir uns gegen 21:30 Uhr dazu entschlossen von der Hauptstraße auf den kleinen, sich im dunkeln verlierenden Feldweg, abzubiegen. Auf der Suche nach einem ebenen Stellplatz für unser Auto erreichten wir, unweit der Stadt Shikarpur, einen kleinen leicht beleuchteten Platz mit einer Moschee. Unbeobachtet wie wir uns fühlten zogen wir es als Schlafplatz in Erwägung, entschieden uns dann aber doch noch einmal weiter zu suchen. Beim wenden erhellten unsere Scheinwerfer einen kleinen Unterstand und von unserem Fernlicht geblendet starrten uns rund 20 paar Augen entgegen. Bis wir uns von dem Schreck erholt hatten standen dann schon eine Hand voll Männer neben unserem Karren und schauten uns fragend ins Gesicht. Es tat uns äußerst leid so in diesen sehr intim scheinenden Moment geplatzt zu sein und wir entschuldigten uns innigst. Die Männer erschienen uns aber sehr freundlich und so trauten wir uns mit Händen und Füßen zu fragen ob wir die Nacht bei Ihnen verbringen könnten. Mit herzlichstem Lächeln stimmten sie zu. Die darauffolgende Stunde verbrachten wir mit Abid, der sich als einziger doch des Englischen mächtig zeigte und erfuhren ein bisschen über das Leben im Dorf. Unter anderem erfuhren wir, dass unsere Gastgeber Belutschen waren, in Ihrem Dorf um die 200 Menschen leben, Frauen und Kinder sich strikt getrennt von den Männern aufhalten und der Kreis um das Feuer zweimal täglich für einige Stunden zusammenkommt, einmal morgens und einmal abends, um sich vor und nach der Feldarbeit zu wärmen.

Es war für uns beide ein ganz besonderer Moment, so nah in Kontakt mit den Einheimischen und ihrer Kultur zu kommen.

Am nächsten Morgen machten wir uns nach einem Cay, einer kleinen Führung über die Felder und einigen gemeinsamen Abschiedsfotos weiter auf den Weg gen Islamabad.

Außerhalb der Stadt verbrachten wir eine weitere Nacht in der Obhut einer Dorfgemeinde, die uns auf ihrem Bauernhof übernachten lies und uns ein wunderbares Frühstück spendierte. Sehr interessiert wurden wir nach Deutschland und dem leben dort ausgefragt. Die Verständigung, durch bessere Englischkenntnisse machte auch diese Begegnung zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.

In Islamabad befassten wir uns dann mit unserer Spende und erkundigten uns beim „Pakistan Council of Research in Water Rescources“ über Wasserfilter, von welchen wir die kommenden Tage tatsächlich fünf Stück erstehen sollten, mit der Absicht sie auf unserer weiteren Reise an Bedürftige Menschen zu verteilen.

Nach einem relativ erfolglosen Tag in den Bergen nördlich der Stadt, an dem unsere Pläne den „Saiful Maluk National Park“ zu besuchen durchkreuzt wurden, weil unser NOC Sicherheitsdokument eine Einreise in die Kashmir-Region nicht gestattete, fuhren wir in einer weiteren Tagesetappe in die letzte große Stadt vor der Grenze nach Indien, Lahore.

In der durchaus geschichtsträchtigen Stadt besuchten wir das Lahore Fort welches über die Jahrhunderte und durch seine strategisch wichtige Position unter ständigen Zerstörungen und Wiederaufbauten gelitten hatte. Das heutige Aussehen des UNESCO Weltkulturerbes geht auf die Zeit von Akbars I., eines indischen Großmoguls, um das Jahr 1575 zurück. Auch Shah Jahan, jener König, welcher auch den Bau des Taj Mahal veranlasste, hatte hier residiert und gewirkt. Sich das Leben zu damaliger Zeit vorzustellen und die großen Plätze und prächtigen Bauten zu durchschreiten war sehr beeindruckend.

An unserem letzten Abend in Pakistan besuchten wir die inzwischen zur Touristenattraktion gewordene Zeremonie der indischen und pakistanischen Streitkräfte. Das erwartete Säbelrasseln fand nicht nach unseren, durchaus schlecht informierten, Vorstellungen statt, sondern es handelte sich um eine einstudierte Choreographie in der körperliche Drohgebärden zwischen den traditionell gekleideten Militärs ausgetauscht wurden. Die Attraktion fand hier eher auf den Zuschauerrängen statt. Die Einheimischen, vor allem aber die jungen Männer, in dem kleinen Amphi-Theater wie beim Fußball auf Stehplätzen versammelt, leisteten den Anweisungen des Ansagers stets Folge und gröhlten dem indischen Publikum Parolen entgegen. Auch wir unterstützten unser Team von pakistanischer Seite aus und versuchten zu rufen was uns der Soldat aus der Mitte entgegen schrie.

Durch eben dieses kleine Theater, in dessen Mitte sich die beiden Grenztore befinden, fuhren wir am nächsten Morgen, zu unserem Bedauern ohne jegliches Publikum, das uns anfeuerte, nach Indien ein.

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