Kurz vorm Ziel gibt’s doch noch einen Schaden

 

Uns führte derselbe Grenzübergang zurück nach Indien, den wir ein paar Wochen zuvor schon für die Einreise nach Nepal genutzt haben. Die dabei notwendige und langwierige Prozedur ist für uns inzwischen natürlich schon zur Routine geworden. Selbst als sich der diensthabende Zollbeamte beim Bearbeiten unserer Carnet zwischenzeitlich für 15 Minuten in eine Teepause verabschiedete, ließen wir uns nicht aus der Ruhe bringen.

Da es schon dunkel war, fuhren wir nicht mehr all zu weit und parkten unser Auto an einem Feld am Rand eines kleinen Dorfes. Der herrliche Sonnenaufgang am nächsten Morgen ließ uns motiviert in den Tag starten, wobei unser Ziel Gashipur war. Dort wollten sich Luca und ich für ein paar Tage trennen, da ich mir Varanasi, eine der schönsten und kulturell bedeutendsten Städte Indiens, nicht entgehen lassen wollte, aber Luca vor hatte sich das Highlight für seine Reise mit Valentina aufzuheben. Da das Leben das ist, was passiert, während man Pläne macht, sollte es am Ende doch wieder anders laufen. Unsere Sim-Karte, die wir während unseres ersten Indienaufenthaltes noch genutzt und von einem anderen Reisenden in Pakistan geschenkt bekommen hatten, war leider abgelaufen und es war nicht möglich ohne indischen Ausweis eine neue zu erwerben, weswegen wir uns dazu entschlossen haben der Einfachheit halber zusammen zu bleiben und direkt Kolkata anzusteuern. Auf dem Weg dorthin ließen wir ließen es uns selbstverständlich nicht nehmen eine Nacht am Ganges zu verbringen. Was zunächst wie der Traum vieler Indienurlauber klingt, endete in einem Mückenfiasko. Die Kulisse am heiligen Fluss war natürlich einmalig und die Gesellschaft der neugierigen Dorfbewohner war ebenfalls erstklassig, aber die ohne Übertreibung weit über hundert Mücken, die sich in unserem Auto befanden, sorgten für einen etwas unrunden Tagesausklang.

Ziemlich übermüdet und mit vom Mosquito töten noch schwarz gefärbten Handflächen kämpften wir uns am nächsten Tag zum Highway, der glücklicherweise auf direktem Wege bis ins 650 km entfernte Kolkata führte. Nach einem weiteren Zwischenstopp erreichten wir am 03.03 gegen späten Nachmittag die Hauptstadt des ehemaligen britischen Subkontinents.

An die sehr belebten Straßen und den vielen Schmutz waren wir schon gewöhnt, aber mit der Armut und dem Leid, das uns hier an vielen Ecken begegnen sollte, hatten wir zu kämpfen. Zu später Stunde sind vielerorts die Bürgersteige vollgepackt mit Obdachlosen, die dort ihr Nachtlager aufgeschlagen und es ist keine Seltenheit, dass man an notdürftig zusammengeschusterten Behausungen vorbeikommt, die oft nicht größer als 3 m² sind. Nichts destotrotz hat Kolkata natürlich auch viele „schöne“ Ecken. Das Victoria Memorial muss an dieser Stelle genauso genannt werden wie das National Museum. Sich durch die mit Menschen vollgepackten Viertel treiben zu lassen, unterschiedlichste Straßenleckereien zu probieren und sich dabei voll und ganz auf die indische Kultur einzulassen gehört unserer Meinung nach auch dazu.

Wir waren aber nicht nur wegen des guten Essens und der netten Leute hier, sondern hatten mal wieder eine Aufgabe zu erledigen. Ganz oben auf unserer To-Do-Liste stand herauszufinden wann, wie und von wem wir unser Auto am besten zurück nach Deutschland verschiffen können. Über eine Facebook Plattform für Reisende hatten wir vor einigen Wochen XXX und ihren Mann Kauschik kennengelernt, die aus Kolkata sind und deren Auto sich gerade nach einem ähnlichen Roadtrip nur in entgegengesetzter Richtung in Prag befindet. Sie stellten nicht nur den Kontakt zu diversen Verschiffungsagenturen her, sondern sorgten durch ihre Gastfreundschaft schnell dafür, dass wir uns hier wohl fühlten.

Kurz vor unserer Weiterfahrt nach Dhaka/Bangladesch sollte doch noch das passieren, von dem wir über 20.000 km verschont geblieben sind. Die Feder am hinteren linken Rad war gebrochen. Wir hatten also einen Schaden am Auto, der es uns unmöglich machen sollte mit dem Fahrzeug pünktlich am 13.03 in Dhaka zu sein, um dort Lucas Freundin Valentina abholen zu können. Es dauerte keine zwei Stunden und Kauschik hatte uns den Kontakt zu seinem Mechaniker des Vertrauens hergestellt, der sich dem Problem gleich am nächsten Tag annehmen sollte. Schnell stellte sich heraus, dass die Feder hier nicht verfügbar sei, sie in Handarbeit nachgebaut werden müsse und wir besser per Flugzeug nach Bangladesch reisen, da die Reparatur mehrere Tage in Anspruch nehmen würde und ich sowieso wieder zurückkommen werde, um für 20 Tage bei der in Kolkata tätigen Organisation New Light als Volunteer zu arbeiten. Wir freundeten uns mit den neuen Rahmenbedingungen schnell an und machten das beste daraus. Eine der zwei Nächte vor dem Flug nach Bangladesch sollten wir unter freiem Himmel auf dem Hochhausdach des Gebäudes verbringen, in dem sich die Werkstatt befindet. Dabei wurde das ein oder andere erfrischende Bier natürlich auch vernichtet, sodass die letzten Tage unserer gemeinsamen Reise definitiv in positiver Erinnerung bleiben werden.

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