Erste Etappe in Indien

Während unseres ersten Indienaufenthalts sollten wir lediglich fünf Nächte in diesem riesigen Land verbringen. Es war also eher ein kurzer Abstecher, was aber durch den Reiseabschnitt von Nepal bis Bangladesch und die abschließenden Tage in Kalkutta um weitere Highlights ausgebaut werden soll.

Nachdem wir die Pakistanisch-Indische Grenze erfolgreich überquert hatten, steuerten wir auf direktem Wege den Jim Corbett National Park an, welcher sich etwa 570 km weit entfernt von der indischen Grenzstadt Wagah befindet. Bei den indischen Straßenverhältnissen und der desaströsen Verkehrslage hat das eine Fahrt von ungefähr zwölf Stunden zur Folge, sodass wir auf halbem Wege unser Nachtlager aufschlagen mussten.

Man kann sich wirklich kaum vorstellen, was sich in Indien so alles auf den Straßen tummelt und in welch miserablem Zustand sich streckenweise die Straße befindet. Neben den üblichen Verkehrsteilnehmer wie Autos, Transportern und LKWs aller Größenordnungen, gibt es natürlich eine schier endlos scheinende Anzahl an Motorrädern und Rikschas. Richtig wild wird es dann, wenn Esel-, Pferde-, Wasserbüffel- und Kamelgespanne dazu kommen, Hunde und Affen aus dem Nichts auf die Straße springen und man den besitzerlosen Kühen, die es sich auf dem Mittelstreifen gemütlich machen, ausweichen muss. Zum Glück waren wir durch die bisherige Reise ein Stück weit auf dieses Chaos vorbereitet, sodass wir es unbeschadet überstanden.

Das Landschaftsbild wird durch sich am Wegesrand befindliche Kuhfladengebilde und Zuckerrohrverarbeitungsstätten geprägt, wobei die Tierexkremente in getrockneter Form einen sehr guten und kostenlosen Brennstoff darstellen und die rudimentären fünf Mann Betriebe das von fast allen Bauern angebaute Zuckerrohr zu Zucker weiterverarbeiten. Natürlich ließen wir es uns nicht nehmen, bei einer dieser Betriebe zu halten, um uns den ganzen Verarbeitungsprozess erklären zu lassen. Nachdem wir auf sehr freundliche Weise begrüßt worden waren und es uns trotz Sprachbarriere gelungen war, den ganze Vorgang zu verstehen, wurden wir mit einem Brocken Zucker in der Tasche verabschiedet und brachten den letzten Streckenabschnitt zum Nationalpark hinter uns. Da dort die Touren durch den Park einzig von einer staatlichen Institution angeboten werden, war ein Preisvergleich zwischen unterschiedlichen Reiseagenturen nicht nötig, sodass das Buchen der Safari eine Sache von fünfzehn Minuten war. Auf einem vierstündigen Trip, den wir allein auf den Rücksitzen eines offenen Jeeps verbrachten, genossen wir es sehr, endlich etwas Zeit in der Natur verbringen zu können. Auch wenn wir leider keinen Tiger sehen konnten, hat sich die Tier- und Pflanzenwelt von ihrer schönsten Seite gezeigt und wir hatten das Glück neben der traumhaften Landschaft eine Elefantenherde, sowie diverse Affen- und unzählige Vogelarten bestaunen zu können.

 

Mit den Gedanken noch in der Einsamkeit des Nationalparks versunken sollten wir zwei Tage später bei der indischen Touristenattraktion schlechthin aufschlagen. Das Taj Mahal war an jenem Tag wie erwartet das Ziel von Reisenden aus aller Welt sowie einer Großzahl an Einheimischen. Beim Eintritt wird man zwar ordentlich zur Kasse gebeten und darf das zwanzig Fache der indischen Bevölkerung zahlen, aber gelohnt hat sich der Ausflug trotzdem. Ein erstaunlich preiswerter Guide führte uns durch das eindrucksvolle Gelände und fütterte uns kontinuierlich mit interessanten Fakten. Wusstet ihr zum Beispiel, dass der Erbauer des Taj Mahal, dessen geschichtliche Bedeutung uns schon in Lahore näher gebracht wurde, neben dem weißen Prachtbau für seine dritte Ehefrau auf der anderen Seite des Flusses als eigenes zukünftiges Grabmal einen identischen Bau in schwarz geplante und zu Lebzeiten sogar schon begonnen hat, diesen Plan umzusetzen? Nach seinem Tod macht ihm lediglich sein Sohn und Thronerbe einen Strich durch die Rechnung, da er das Bauvorhaben auf Grund der horrenden Kosten einstellte und seinen Vater in der Grabstätte seiner Mutter unterbrachte.

Die Vorstellung, dass sich auf der anderen Seite des Flusses noch ein schwarzes Taj Mahal befinden könnte, lies uns anschließend bis zur nepalesischen Grenze, die wir am nächsten Tag überqueren sollten und ohne erwähnenswerten Zwischenfall erreichten, nicht mehr los.

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