Angekommen am Tor zum Orient

Am Sonntagnachmittag hatten wir von Chios in die Türkei übergesetzt. Wir zahlten für die Fähre 97,50 € für uns beide samt Auto und brauchten gerade einmal 30 Minuten, was uns vor dem Hintergrund der letzten drei Wochen Arbeit ein wenig Unbehagen bereitete. Hatten wir doch gelernt, dass die Flüchtlinge nachts eine ganz ähnliche Route zurück legten dafür aber in der Regel mindestens vier Stunden brauchten. Wir persönlich hatten sogar ein Boot mit 67 Personen am Hafen empfangen, dass über neun Stunden auf dem Wasser gewesen war. Sie werden meistens von ihren Schleppern auf halbem Weg, in tiefster Finsternis, auf den kleinen komplett überladenen Schlauchbooten zurück gelassen und irren dann oft noch Stunden lang auf dem Wasser herum. Für diese Überfahrt zahlen sie pro Person 1000 USD oder mehr, was uns auf unserer friedlichen Fahrt in den Sonnenuntergang ein wenig surreal vor kam.

So kamen wir also in dem Land an, dass für viele der Menschen für und mit denen wir die letzten Wochen gearbeitet hatten, die letzte Station ihrer Reise vor Europa war.

Angekommen am Hafen von Cesme musste unser Auto durch den X-Ray, da eine Durchsuchung, genauso wie bei den mit uns in der Schlange stehenden LKWs, bei unserem Heim auf Rädern zu lange gedauert hätte. Selbstverständlich war alles in bester Ordnung und wir durften unsere Fahrt zwar etwas verzögert aber guter Dinge fortsetzen. Wir fuhren noch einige Stunden auf der sehr gut ausgebauten Autobahn Richtung Istanbul und entschlossen dann, rund 320 Kilometer vor Istanbul, halt für die Nacht zu machen. Zwischen bellenden Hunden, die nicht so begeistert von unserem Auto zu seien schienen wie wir, parkten wir. Nach dem der Motor einige Minuten ausgeschalten war und die Hunde so wirkten als würden sie nur noch aus Gewohnheit aber nicht mehr aus Bosheit bellen trauten wir uns hinaus, kletterten hinten ins Auto und legten uns schlafen.

Im Laufe des Montags fuhren wir dann nach Istanbul ein, wo wir etwas außerhalb halt machten. Wir besorgten uns türkische Sim-Karten und arbeiteten in einem sehr netten kleinen Kaffee an der Internetseite. Am Abend fuhren wir dann ins Zentrum der Millionenmetropole ein und hatten erstaunliches Glück mit dem Verkehr wie wir noch die nächsten Tage über merken sollten.

Keine 200 Meter entfernt der berühmten blauen Moschee parkten wir unseren Van um so zentral wie möglich für die erste morgige Entdeckungstour der Stadt in den Tag zu starten.

An unserem ersten Tag schlenderten wir über den großen Bazar, sahen die blaue Moschee auch von innen und die Cisterna Basilica, einen uralten Wasserspeicher welcher auch versunkener palast genannt wird. Am Abend hatten wir dann unseren ersten Tag bei Sefkat-Der, einem Obdachlosenheim und Suppenküche wo wir für einige Tage arbeiten werden. Dazu erfahrt ihr in kürze mehr in einem eigenen Blogeintrag.

Am frühen Nachmittag vertrieben uns dann doch noch ein paar schlecht gelaunte Ladenbesitzer von unserem schönen Parkplatz, die meinten wir stünden auf privat Grundstück, was wir aber zu bezweifeln wagten. Etwas widerwillig zogen wir von dannen und stehen jetzt auf einem großen Parkplatz direkt am Wasser für 20 TYL (umgerechnet 3,30 €) den Tag. Inzwischen grüßen wir uns mit den Parkwärtern stets freundlich, die es wahrscheinlich auch nicht alle Tage erleben das jemand auf ihrem Parkplatz einzieht und haben fast ei bisschen das Gefühl zuhause zu sein.

Es ist sehr schön wie die Freiwilligenarbeit uns andere Facetten der Stadt zeigt und das Gefühl nimmt hier nur Tourist zu sein. Wir haben über die letzten Tage noch einiges mehr von Istanbul gesehen, sind viel spaziert, waren im archäologischen Museum und haben eine Bosporus Fahrt gemacht. Zusätzlich haben wir jeden Abend eine Verabredung mit Einwohnern der Stadt um etwas Gutes zu tun. Besser könnte man kaum Reisen finden wir.

Wie ihr schon hört geht es uns gut und wir hoffen euch geht es genau so! Schon bald lassen wir mit dem nächsten Post über unsere Arbeit bei Sefkat-Der von uns hören. Bis dahin! 😊

One thought on “Angekommen am Tor zum Orient

  1. Hallo Ihr Beiden,
    Istanbul ist fuer mich eine der schönsten Städte der Welt, auch weil es diese einzigartige Verbindung zwischen Europa und Asien darstellt. Bei Eurem ansonsten sehr ernshaftem Tun finde ich, Ihr habt es vollstens verdient auch mal ein bisschen zwischendurch nur genießende Reisende zu sein. Liebe Gruesse Papa von Luca

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