Als Freiwillige bei Sefkat-Der

Voller Vorfreude sahen wir unserer Zeit bei Sefkat-Der entgegen, was nicht zuletzt daran lag, dass es ein kleines Abenteuer zu werden versprach. Der gesamte Kontakt im Vorfeld lief ausschließlich auf Türkisch mit unseren Ansprechpartnern ab, was uns jede Mail die wir bekamen und schrieben aus dem und ins Türkische von einer Freundin übersetzen ließ. Gespannt auf die Kommunikation und unsere genaue Aufgabe begaben wir uns also abends auf den Weg durch die verwinkelten Gassen Istanbuls, um uns gegen 20 Uhr mit den anderen Freiwilligen zu treffen.

Vor dem kleinen Eingang des Hauses, dass eine Unterkunft für 12 Menschen ohne Dach über dem Kopf bietet, standen bereits die ersten Helfer in orangenen Warnwesten. Im inneren wurden wir mit einem großen Lächeln empfangen, aber wie von uns nicht anders erwartet, ohne ein Wort Englisch. Schnell stellte sich heraus, dass wir bei Eda, die wie es uns schien die Koordinatorin des ganzen sein musste, mit Deutsch wesentlich besser zurechtkommen würden. Dieses Phänomen war uns schon des Öfteren auf den Straßen Istanbuls begegnet.

Nach einem uns angebotenen Tee und ein paar Gesprächsfetzen wurde jedem von uns eine Warnweste in die Hand gedrückt und wir machten uns daran den kleinen vollbeladenen Wagen mit Essen für 200-300 Personen die steilen Hänge der Stadt hinauf zu wuchten. Unsere Route führte durch eine viel belebte Einkaufsstraße, was einige von uns vorweg laufen ließ, um die Leute vor dem schwer zu manövrierenden Karren zu warnen. Wir beide riefen den Leuten lauthals „pardon“ entgegen was im Türkischen dieselbe Bedeutung wie im französischen hat, “Entschuldigung!“. Unsere französische Aussprache sorgte für allgemeine Belustigung.

Wir erfuhren, dass einige der anderen Freiwilligenhelfer in den Einrichtungen von Sefkat-Der wohnen und ihre Hilfe als unausgesprochene Gegenleistung für ihr kostenloses Essen und Unterkunft sehen.  Zwei von ihnen waren des englischen mächtig und so unterhielten wir uns die 45 Minuten Fußweg fast durchgängig.

Am Taksim-Platz angekommen legten wir eine Plane aus, auf der wir unsere kleine Essensausgabestelle organisierten. Dominik war für die Portionierung des Reises und ich für die Soße zuständig. Das Verteilen machte großen Spaß, vor allem nachdem man ein Gefühl für die Portionsgröße hatte und wir uns im Akkord die Teller reichten. Es war eine sehr nette Atmosphäre. Man fragte uns oft woher wir kommen und unsere Antwort traf meist auf große Begeisterung. Sie lieben Deutschland. Einige sprachen sogar ein bisschen Deutsch und sagten Dinge wie „vielen Dank“ und sogar „ich liebe dich“, was den Eindruck machte als wäre es tatsächlich als aufrichtiger Ausdruck von Dankbarkeit und nicht als Witz gemeint.

Uns fiel die Anzahl an jungen Männern auf, die fast die Hälfte aller Bedürftigen in der langen Schlange ausmachten, die sich schon vor unserem Eintreffen gebildet hatte. Später erfuhren wir, dass es sich bei den meisten um Flüchtlinge hielt und ein beträchtlicher Teil von ihnen aus Syrien stammt. Während unserer Arbeit lernten wir auf das syrisch-arabische „shukran“ (danke) mit „laafu“ (gerne) zu antworten.

An unserem ersten Tag reichte das Essen für die rund 250 Menschen nur knapp aus. Diejenigen, die sich zuletzt in die Schlange gestellt hatten, bekamen leider nur noch kleinere Portionen und sogar die Soße für den Reis ging aus, was ein wenig an mir nagte, weil ich dafür zuständig gewesen war. Es gestaltete sich durchaus schwer, einen riesen Topf und die Anzahl an Menschen so einzuschätzen, dass jeder die gleiche Menge bekam. Eda versicherte mir aber, es komme öfter vor und sie können maximal einen großen Topf machen. Ich nahm mir vor die nächsten Male von beginn an kleiner zu portionieren.

Die nächsten Tage sollten zeigen, dass es nicht nötig sein sollte kleinere Portionen zu machen. Durch das schlechte Wetter, mit für Istanbul untypisch andauernden Regen, wie uns die Einheimischen mitteilten, blieben viele der Obdachlosen und Bedürftigen des ersten Tages der Verteilung fern und zogen es vor an einem trockenen Ort den Abend zu verbringen.

Nachdem jeder etwas zu essen bekommen hatte bauten wir die Station ab, verstauten Töpfe, Kellen und Tabletts in unserem Wagen und verabschiedeten uns voneinander. Die routinierten Helfer, die sich aus unterschiedlichsten Bewohner der Stadt zusammen setzen, von welchen die Meisten 2 mal die Woche helfen, verließen uns und zusammen mit einigen der Bewohner des Obdachlosenheims, vor welchem wir uns getroffen hatten, schoben wir den, nun wesentlich leichteren Schubkarren, zurück zu ihrer Unterkunft.

Die abendliche Routine unseres Helfens bei Sefkat-Der bereitete uns große Freude, sodass wir jeden Abend in Istanbul mit nur einer Ausnahme von Dienstag bis Samstag halfen. Am Freitagmorgen verknackste ich mir leider den Rücken und konnte den restlichen Tag nicht mehr stehen geschweige denn laufen, weshalb sich Dominik diesen Abend allein auf den Weg machte. Am nächsten Morgen fuhren wir ins Krankenhaus und ich bekam eine Spritze und Tabletten verschrieben, welche die Beschwerden weitest gehend behoben haben.

Wir können jedem von euch, der die Chance bekommt Istanbul zu besuchen, nur empfehlen abends einmal bei der Ausgabe zu helfen. Es nimmt lediglich um die 2-3 Stunden eines Abends in Anspruch und ist eine tolle Möglichkeit in die Stadt einzutauchen. Durch die Zentrale Lage ist es außerdem sehr bequem zu erreichen.

Bei Interesse kontaktiert uns gerne in den Kommentaren oder schreibt uns eine Mail an travelforsmiles2018@gmail.com .

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