Abenteuer Nepal

Als wir am frühen Nachmittag in dem kleinen Touristen Dorf, nur einen Steinwurf vom Chitwan Nationalpark entfernt, eintrafen, wartete unser neu gefundener Freund schon am Hotel Shiva’s Dream auf uns. Wir hatten Dennis an der Grenze kennen gelernt, schon in Lumbini einen Tag mit ihm verbracht und zusammen die Geburtstätte Buddhas besucht. Dieser magische Ort mit einer Vielzahl an singenden und betenden Gläubigen, der nur Barfuß betreten werden durfte, wurde nur dank ihm für uns auf die Karte gerufen. Wir erwiderten dies und luden ihn ein, statt nach seinem Plan direkt nach Pokhara zu fahren, uns für ein paar Tage auf Safari Gesellschaft zu leisten. Ein ähnliche Abenteuer, das der ebenfalls aus Deutschland auf dem Landweg Angereiste erlebte, schweißte uns schnell zusammen und so genossen wir ein wenig Urlaubsstimmung.

Zu unserem großen Glück hatte Dennis, der mit seinem Motorrad schneller unterwegs ist als wir und vorgefahren war, für sich bereits eine Unterkunft gefunden, welche sich als ideal herausstellte. Hatten wir in Quetta noch horrende Summen für eine Übernachtung in unserem Auto auf dem Parkplatz eines Hotels gezahlt, durften wir hier umsonst stehen, die folgenden Tage unsere Wäsche waschen, diese auf dem Dach im Sonnenschein trocknen lassen und sogar in der Einfahrt das Auto mit Hilfe ihres Gartenschlauches von Dreck befreien. Mit Arjun, dem Besitzer, verstanden wir uns auf Anhieb super. Nicht zuletzt lag es daran, dass er uns für unsere Pläne der nächsten Tage ein faires Angebot machte und selbst nach unseren Preisauskünften bei umliegenden Reiseanbietern die beste Offerte gab. Ohne jede Art von Verhandlungen stellt dies auf unserer Reise durchaus eine Seltenheit dar.

Dann waren wir also auf Safari. Mit dem Kanu ging es morgens um 7 Uhr über den Fluss, der die Grenze des Nationalparks beschreibt, eine Stunde vorbei an entspannenden Krokodilen, ein paar grasenden Rehen und diversen Vögeln. Kurz bevor wir flussabwärts an Land gingen, sprang unser Guide Obi in dem durchaus wackeligen, aus einem einzigen dicken Stamm gefertigten Kanu auf und blickte konzentriert in den Dschungel. Er habe etwas Großes gehört, vielleicht einen Elefant oder ein Nashorn, verriet er uns.

An Land machten wir uns dann, in unserer kleinen Gruppe aus drei Deutschen und zwei Guides, in diese Richtung auf den Weg. Zwei erfahrene Führer sind von der nepalesischen Regierung vorgeschrieben und garantieren im Falle eines Angriffs oder Unfalls die Sicherheit von Touristen wie uns.

Vor diesem Hintergrund stieg die Spannung immens. Ein Geräusch zu verfolgen, das zweifelsohne zu einem tonnenschweren Tier gehören musste, war aufregend. Vorsichtig tasteten wir uns auf den kleinen Pfaden entlang, welche nicht klar Menschen oder Tieren zuzuordnen waren. Schlagartig waren wir mitten im Dschungel. Obi lief unserem kleinen Erkundungstrupp achtsam voraus und immer wieder blieben wir stehen, um den Geräuschen der Umgebung zu lauschen. Plötzlich wurden wir angehalten leise zu sein. Wir schenkten unserem Guide großes Vertrauen und so achteten wir noch bedachter darauf, dass die Äste auf dem Boden nicht unter unserem Gewicht zerbrachen und auf uns aufmerksam machten.

Dann hörten auch wir ein Knacken, welches zweifellos zu einem gewaltigen Tier gehören musste. „Elephant“ flüsterte uns Obi entgegen. Sein angespanntes Gesicht verriet den Ernst der Situation und so wichen wir kollektiv zurück. Hatten wir doch zu Beginn unserer Führung die Grundregeln des Dschungels gelernt.

Es gibt für den Menschen vier gefährliche Tiere im Chitwan Nationalpark. Sollte uns ein Bär angreifen, würden wir Lärm machen und in einer Gruppe kein Problem haben diesen zu verscheuchen, bei einem Nashorn im Zick-Zack davonlaufen, da diese lediglich schnell geradeaus laufen können und bei dem König des Dschungels, dem Tiger, den Augenkontakt aufrechterhalten und uns im Rückwärtsgang entfernen. Auf einen Elefantenangriff allerdings lautete die einzige Anweisung zu beten.

Nach Lokalisierung des Elefanten etwa 50 Meter hinter Gestrüpp entfernt, wagten wir einen Blick um den nächsten Busch. Während wir aus unserer Deckung heraus versuchten einen Blick auf das Tier zu ergattern, durchschnitt die angespannte Stimmung das nächste Knacken und ein 15 Meter hoher Baum krachte in Sichtweite ins Unterholz. „Go Back!“ lautete die hastige Anweisung von Obi und so brachten wir uns in Sicherheit. Er hatte den Elefanten gesehen und meinte es sei Rolando, den wir schon am Tag zuvor im „Breeding“ Center in Augenschein nehmen konnten. Der berüchtigte wilde Elefant, ein gigantisches Tier, das bereits einige Locals und eine Touristin auf dem Gewissen hat, hält sich dort gerne in Nähe der Weibchen auf. Es handelte sich zu unserem Glück nicht um einen Angriff auf uns. Nach einigen Minuten entschieden wir in sicherer Distanz weiter zu ziehen, da eine Verfolgung von Rolando zu gefährlich wäre.

Nachdem wir seinen Schlafplatz und enormen Fußabdrücke bestaunt hatten, machten wir uns weiter auf den Weg entlang des Flusses. Obi erklärte uns viele spannende Fakten über Flora und Fauna, wir hörten einen Tucan in der Ferne, bestaunten Kratzspuren eines Tigers, welche durch diese ihr Revier markieren, und fanden eine Menge Fäkalien. Diesen folgten wir und waren urplötzlich auf der Fährte eines Bären. Immer wieder fanden wir Löcher, welche der Bär auf Suche nach Termiten gegraben hatte, und bildeten uns ein, nachdem wir darauf hingewiesen wurden, selber auch den Bären riechen zu können. Wir fanden ihn kurz vor Ende unseres Fußmarsches. Wir hatten den Lippenbären zu Fuß verfolgt und tatsächlich ausfindig gemacht. Es war beeindruckend!

Am Nachmittag gab es noch eine Jeep Tour bei der wir großes Glück hatten, auch ein Nashorn aus unmittelbarer Nähe bewundern zu dürfen. Im Anschluss ließen wir den Tag bei einem gemütlichen Bier in einer netten Bar um die Ecke des Hotels ausklingen.

Dank dieser ereignisreichen ersten Tage in Nepal verging die Zeit wie im Flug. Dann hieß es für uns zwei auch schon Aufbruch nach Kathmandu.

Eine aufregende Zeit in der Hauptstadt in dem kleinen Waisenheim ist vorprogrammiert, wir sind sehr gespannt, wie wir und Travel for Smiles einen Beitrag leisten können!

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