Abenteuer Belutschistan

Als wir am 22ten die Grenze erreichten, hatten wir nur eine begrenzte Vorstellung von dem was uns erwarten würde. Der Militärkonvoi sollte um sonst gestellt werden, die Fahrt durch das „gefährliche“ Gebiet Belutschistan grob geschätzte drei Tage dauern und es wäre gut ein paar Süßigkeiten für die Levies dabei zu haben, so hatten wir es gehört. Wer genau sind aber diese Levies? Wie sieht die Eskorte aus und würden wir überhaupt allein außerhalb Belutschistans fahren dürfen? Zu all diesen Fragen hatten wir unterschiedliche Antworten bekommen und so konnten wir nicht anders als uns auf die Ungewissheit ein zu lassen.

Um die für den Visa Antrag erforderlichen Papiere zu bekommen haben wir große Unterstützung vom Individual Reiseveranstalter Nomad Reisen aus Köln bekommen. Wir sind damals eher durch Zufall auf Julietta und ihr tolles Team gestoßen, aber stehen bis heute in freundschaftlichem E-Mail-Austausch. In Zukunft könnte auch die ein oder andere Zusammenarbeit entstehen, was mal wieder zeigt, wie Reisen verbindet.

Der Grenzübergang verlief weitgehend unkompliziert und gegen späten Nachmittag befanden wir uns dann das erste Mal auf pakistanischem Boden. Die erste Nacht verbrachten wir in der Polizeistation der kleinen Grenzstadt Taftan. Hatten wir auf unserer Reise schon einige Male vor Polizeistationen geschlafen, war es für uns das erste Mal im Inneren.

Am Morgen fuhren wir auf jener Hauptstraße los, welche die Grenze mit der letzten großen Stadt Quetta im Osten Belutschistans verbindet. Von dort aus könnten wir unseres Wissens nach allein weiterreisen. In Begleitung eines Levies der sich zu uns ins Auto gesellte, hangelten wir uns von Kontrollposten zu Kontrollposten. Sie stellten sich als eine Art Hilfspolizei heraus, die für die Sicherung der Straße und der Posten außerhalb der Städte zuständig sind. Nicht wie in unserer Vorstellung von mehreren Militärfahrzeugen, sondern von lediglich einem mit Maschinengewehr bewaffneten Mann wurden wir eskortiert. Auch dies lies die Gedanken und Sorgen, die wir uns zu diesem Abschnitt unserer Reise gemacht hatten, in den Hintergrund rücken. Es herrschte eine sehr entspannte Stimmung. Mit ein, zwei Fetzen Englisch und der ein oder anderen Runde „Scharade der Sprachbarriere“ schafften wir es sogar uns ein wenig mit unseren Beschützern zu unterhalten.

Das Ritual an den Kontrollposten lief stehts ähnlich ab. Auf unsere Begrüßung mit den wenigen Fetzen Urdu die wir gelernt hatten, wurden wir nach unserer Herkunft gefragt, diese schien bei den Soldaten ausschließlich positive Gefühle hervor zu bringen und wir schüttelten gefühlt so viele Hände wie noch nie in unserem Leben zuvor. Gelegentlich wurde uns auch eine Tasse Tee angeboten, WhatsApp Nummern oder Instagramaccounts ausgetauscht. Selten wurden wir in einem Land mit solch offenen Armen empfangen und so herzlich willkommen geheißen wie in Pakistan.

Zwei Tage verbrachten wir so auf der Straße nach Quetta. Je näher wir der Stadt kamen, desto mehr änderte sich das Begleitverhalten. Aus dem einzelnen Levie wurde ein Truck, aus dem Truck ein Schwergepanzertes Militärfahrzeug und zu guter Letzt bahnten uns vier Motorräder den Weg durch den dichten Verkehr. Es ist absoluter Wahnsinn, dass all dies ohne Kosten für uns zur Verfügung gestellt wurde!

In Quetta verbrachten wir zwei Nächte in unserem Camper auf dem Parkplatz eines Hotels, da es uns aus Sicherheitsgründen nicht gestattet war in unserem Auto auf der Straße zu schlafen, geschweige denn auf dieser herum zu laufen. So arbeiteten wir an der Internetseite und warteten auf ein Dokument Namens „NOC“, welches die Erlaubnis erteilt, den restlichen Weg durch Pakistan Richtung Lahore, die letzte große Stadt vor der indischen Grenze, allein zu beschreiten.

Nach erhalten der Genehmigung brachten uns noch einige Konvois ein paar Stunden weiter östlich und verließen uns dann so plötzlich, dass wir uns nicht sicher waren ob wir weiter zur nächsten Kontrolle fahren sollten oder ob es das jetzt gewesen war.

Vier Tage hatte es gedauert und ohne Vorwarnung waren wir plötzlich frei 😊

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