Ab in die Berge

Am Sonntagabend noch machte ich mich auf den Weg, mit dem öffentlichen Bus, nach Naya Pul. Von dort aus stiefelte ich in der Abenddämmerung nach Birethanti, das erste kleine Dorf im riesigen Annapurna Nationalpark. Für umgerechnet 1,50 € bezog in ein bescheidenes Zimmer und stärkte mich für die kommenden, körperlich anstrengenden Tage, mit einem der besten „Egg Fried Rice“ meines Lebens.

Von ein paar Locals hatte ich die Info bekommen, die zusätzlichen 2000 Rupees Gebühr für „Wanderteams“, welche auf den Parkeintritt von 3000 Rupees aufgeschlagen werden, umgehen zu können, indem ich noch früh am Morgen, vor Sonnenaufgang, aufbrechen würde. Ich sah nicht ein diesen zusätzlichen Betrag zu zahlen, da ich ja komplett allein unterwegs war und machte es dann genau so wie mir empfohlen wurde. Beladen mit nur einem kleinen Rucksack einer Flasche Wasser und ein paar Turnschuhen, in Ergänzung zu den Wanderschuhen an meinen Füßen, stapfte ich im dämmernden Morgen ins Ungewisse. Die geringen Informationen, die ich im Vorfeld gesammelt hatte, ließen die ehrgeizige erste Etappe meines drei Tages-Treks möglich erscheinen, hundertprozentig sicher war ich aber nicht. Mein früher Start in den Tag sollte mir hierbei noch ganz gelegen kommen.

Die ersten zwei Stunden traf ich keinen Menschen auf dem mit Steinen in allen Größenordnungen gepflasterten Weg. Diese Ruhe trug mich, nur von dem Geräusch meines eigenen Atems begleitet, die ersten Stunden in Einsamkeit die kleinen Hügel hinauf.

Und dann begann, von mir ein wenig unerwartet, der Aufstieg.

Die 1800 Höhenmeter, die zwischen meinem Startpunkt und dem kleinen Dorf Ghorepani auf 2800 Metern lagen, bestanden fast ausschließlich aus Stufen. Deutlich mehr als 4000 dieser Stufen sollte ich an jenem Tag überwunden haben, als ich gegen 17:30 Uhr ziemlich erschöpft an meinem Ziel in den Bergen ankam.

Die Temperatur war auf jener Höhe bereits auf 0 Grad gesunken. Ich hatte Glück, das Zimmer, durch welches das Heizungsrohr aus dem Gemeinschaftsraum verlief, zu bekommen und somit ein wenig Wärme für die folgenden 2 Tage vortanken zu können.

Mit meiner Kopflampe bewaffnet zog ich an meinem zweiten Morgen noch etwas früher los, um mir die Chance auf einen atemberaubenden Sonnenaufgang an der Spitze von Poon Hill nicht entgehen zu lassen. Zur verabredeten Zeit befand ich mich auf dem Gipfel aber die Sonne ließ mich und die anderen Wanderer sitzen. Die Temperatur lag gefühlt 10 Grad unter der in Ghorepani, was nicht nur die 400 Höhenmeter unterschied, sondern auch der eisige Wind verursachten. Es war definitiv eine Erfahrung aber noch einmal würde ich bei diesem Wetter und der begrenzten Sicht nicht um 5 Uhr aus dem Bett in die Kälte hüpfen.

Der restliche Tag war dann aber um so schöner. Weder musste ich weitere Höhenmeter gewinnen, noch hielt die Kälte an, auf die ich nicht ideal vorbereitet war, denn sogar die Sonne trat zum Vorschein. Ich wanderte vorbei an wunderschönen Wasserfällen und blickte hinauf auf die 7000 Meter hohen Berggipfel in der Ferne. Dieser Streckenabschnitt von Ghorepani über Tadapani nach Ghandruk war alle Mühe, die ich am Vortag hatte aufbringen müssen, wert.

Meine letzte Nacht in den Bergen war von Schneeregen begleitet, welcher sich auch noch weit in meinen Abstieg hineinzog und ließ mich meinen letzten Tag unter einer Plastikplane, vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzend, auf direktem Wege zurück nach Naya Pul stiefeln. Selbst trotz Plane war ich klitsch nass als ich an meinem Bus zurück nach Pokhara ankam.

Vollkommen durchgefroren aber erleichtert darüber, dass der Bus zu fahren schien, da ich von einigen Locals das Gegenteil gehört hatte, machte ich es mir auf einem der letzten verbliebenen Plätze in der letzten Reihe gemütlich.

Es dauerte nur eine halbe Stunde bis es an meiner Erleichterung zu bröckeln begann. Auf den komplett durchgeweichten Straßen ging schlagartig Garnichts mehr. Die Nachricht verbreitete sich, dass die Straße gesperrt sei, niemand wusste jedoch etwas genaues.

Nach drei Stunden stillstand, in denen wir gelegentlich einige Meter vorwärts durch den Schlamm rutschten, begann sich eine lange Nacht ab zu zeichnen. Einige der Einheimischen waren bereits getürmt und jetzt machte sich der Großteil der Hinterbliebenen auch auf, im schwindenden Tageslicht, das weite zu suchen.

Die Eiskalte Nacht verbrachte ich bei 0 Grad auf meinem Rücksitz kauernd, in den noch immer feuchten Klamotten und schaffte es, wenn es hoch kommt zwei Stunden Schlaf zu finden. Es war die kälteste Nacht meines Lebens!

Am nächsten Morgen herrschte Aufbruchstimmung und die Leute taten sich zusammen. Mit 15 Mann stemmte man sich gegen Lastwägen, um den Weg zu räumen, jedoch alles vergebens. Nach einer halben Stunde hielt ich es nicht mehr aus und entschloss die Straße weiter zu gehen, auf der Suche nach jemandem der am anderen Ende des Staus beschloss wieder umzukehren.

Kaum trat ich mit meinem spärlichen Hab und Gut wieder aus dem Bus, lief eine Gruppe von Kanadiern an mir vorbei, die den gleichen Plan hatten. Zusammen mit ihnen fanden wir tatsächlich, lediglich 15 min Fußmarsch einen leeren Reisebus, der Richtung Pokhara fuhr.

Am Ende der Geschichte habe ich für die 40 Kilometer ganze 16 Stunden gebraucht. So wurde mein Nepal Erlebnis abgerundet, das nächste Mal würde ich aber gerne auf die Erfahrung verzichten, Himalaya!

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